Postbank Zinsskandal in Leer

Sachlage

Chaos in der Postbank-Filiale?

Mangelhaftes Controlling?

Wie kann es sein, dass nach der Version der Postbank ein Zweigstellenleiter über Jahre hunderttausende von Zinsgutschriften und Abhebungen „verschleiert“, massenweise Belege auf offiziellen Dokumentenpapieren der Postbank erstellt, sogar offizielle Steuerbescheinigungen für das Finanzamt herausgibt, ohne dass die Postbank Innenrevision, die Gebietsleitung, der Vorstand oder die BaFin etwas von diesen Vorgängen bemerken?

Neben unserer Kanzlei haben die Betroffenen aber auch andere Kanzleien um anwaltliche Hilfe ersucht. Die Kollegen haben bereits erste Klagen eingereicht, die ersten Prozesse laufen an.

Wir fragen uns, wie der Vorgang solche Ausmaße annehmen konnte?

Scheinbar gibt es ein organisatorisches Problem bei der Postbank!

Wir sehen erhebliche Parallelen zu dem Skandal um die Postbank Finanzberatung:

Warum sehen wir das so?

Hier wie dort wird in den laufenden Klageverfahren versucht, über das Firmengeflecht und die Zuständigkeitsaufteilungen der Postbank AG als Tochter der Deutschen Bank AG Unzuständigkeiten von Landgerichten und der Postbank selber darzustellen.

Die Postbank lässt in Verfahren vortragen, dass es sich nur um die Postbank Filialvertrieb AG handeln würde, die wiederum für sich handeln würde und keine Zinsversprechen abgeben dürfe.

Damit stellt Sie Herrn S., der als Filialleiter in Leer unter den gelben Schildern auftrat, als „unternehmensfremd“ für die Postbank AG dar.

Obwohl die Postbank AG die Erträge über ihre Gesellschaften gern einkassiert, beschreibt sie, dass ein „Postbank Finanzcenter“ in der Außenzone von Postbriefkästen und Briefmarkenautomaten flankiert wird, weshalb man keine Schlüsse auf die Postbank AG ziehen kann.

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Illustration zum Firmengeflecht und den Zuständigkeitsaufteilungen der Postbank AG als Tochter der Deutschen Bank AG


Das ist doch nicht die Postbank?!

Man beschreibt in einer Klageerwiderung, dass der Kunde sinngemäß hätte erkennen müssen, dass er bei der Deutschen Post oder einer Vertriebseinheit sei, nicht aber bei der Postbank AG. Selbst Bareinzahlungen und Auszahlungen oder konkrete Kontoeröffnungen, also für einen durchschnittlichen Bundesbürger das typische Bankgeschäft, könne nicht auf die Postbank AG hinweisen.

So stellt sie dar, dass Herr S. nur zu 9,6 Wochenstunden Kundenberater war und zu 28,9 Stunden als Filialleiter Leer fungierte, allerdings nur des Finanzcenters, nicht der Deutschen Postbank(!).

Sodann wird auf den Folgeseiten darauf verwiesen, dass aber Firmenkunden eigentlich über Berlin verwaltet werden, Privatkunden wohl über Hamburg, ggf. aber auch Bonn zuständig sei und das alles für den Kunden ohnehin leicht ersichtlich sei.

Firmengeflecht außer Kontrolle?

Dann stellt die Postbank klar: „Schließlich wird aus der Kontoführung mit den Kläger/innen selbst deutlich, dass weder das „Postbank Finanzcenter“ in Leer, noch Herr S. (oben noch als Filialleiter bezeichnet), noch die „Postbank Filialvertrieb AG“ Verhandlungs- und Vertragspartner der Kläger/innnen wurde, vielmehr ausschließlich und nur unter bestimmten Voraussetzungen ihre aktiven Beteiligung die Beklagte mit Hauptsitz Bonn. Im „Postbank Finanzcenter“ gab es auch mit Herrn S. lediglich einen Ansprechpartner zur Information und zu beratenden Hinweisen, auch zur Vorbereitung von Vertragsabschlüssen mit den Beteiligten.“

Ergebnis der Postbank, ein Rechtsschein lag nicht vor.
Sprich, als der Kunde in die Filiale ging, war es falsch zu denken, er habe etwas mit der Postbank zu tun.

Die Ausführungen vor Gericht, die 80 Seiten umfassen und eine Vielzahl an Firmen und Verflechtungen darstellen, zeigen wohl die Einstellung der Postbank AG:
Wir machen ein riesiges Netz an Filialen auf, um über Gewinnabführungsverträge an allen Geschäften zu partizipieren bzw. um möglichst viele Verträge durchgeleitet zu bekommen, ließe sich vermuten.

Hat aber ein Kunde eine Beschwerde, so verstecken wir uns komplett hinter dem Firmennetzwerk. Obwohl der Kunde nicht erkennen sollte, dass „ich“ es bin, soll er sich im Haftungsfall unter Ausschaltung anderer Firmen an mich wenden. Irgendwo bleibt er dann schon hängen, könnte man meinen.
Das macht die Postbank, eine Tochter der Deutschen Bank dem Anschein nach noch heute so!

Ganz leicht geht der Kunde ins Firmennetz, hat er eine Beschwerde verfängt er sich in diesem Netz, so hat es den Anschein.

schaden

Mit einem Standardanschreiben wurden die Kunden über die Kontosperre und Abbuchungen informiert.

Sehen Sie selbst: Download Dokumenten Zusammenstellung

Wir fragen uns weiter:

Versteht man unter diesen Voraussetzungen einen vertraulichen Vertragspartner, eine zuverlässige Bank, die einem auch in schlechten Zeiten zur Seite steht?

Versagt wegen dieses Enthaftungsgepflechtes am Ende das Controlling ?

Hat die Deutsche Postbank AG sich sowohl in der Beratung zu Geschlossenen Fonds bis Mitte 2012 genauso wie mit den „Zweigstellen“ derart verflochten, dass ein bankenübliches Controlling ausgesetzt ist?

Wie überwacht eine Bank einen Mitarbeiter, der „Zweigstellenleiter“ genannt wird, aber nicht bei der Bank angestellt ist? Wenn die Bank selbst vier mögliche zuständige Verwaltungsplätze benennt, wie bekommt sie diese in den Griff? Wenn jemand als Filialleiter auftreten darf um dann aber dann doch nichts entscheiden zu dürfen, wie prüft man das?

Warum sehen wir das so?

Wir kennen den Skandal um die Geschlossenen Beteiligungen. Dort hat die Postbank in ihren Revisionsberichten 2006 von über 70% Falschberatung gesprochen und dann die extreme Fehlerquote so über Jahre weiterlaufen lassen. Sie lässt sich heute von denen berichten, die den Schaden angerichtet haben.
Was genau wird also in der Sache Leer anders gelaufen sein? So jedenfalls sehen es aktuelle Unterlagen vor.

Wir werden in die Verfahren die Aussagen und Unterlagen der Postbank selber einbringen und hoffen damit, sie selbst davon zu überzeugen, dass sie den betroffenen Kunden kurzfristig vergleichsweise und faire Lösungen anbietet.

Der Fall Leer klingt außergewöhnlich, ist er aber nicht. Auch hier ging es nach unserer Ansicht um den maximalen Vertrieb unter Minimierung der Kosten und des Risikos. Doch auch hier wird dieser Versuch fehlschlagen.

Der Postbank AG scheint nichts heilig zu sein, auch Sparbücher nicht.


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Teile des Guthabens betroffener Kunden sind gesperrt.